ADFC-Fahrradklima-Test 2022

Am 01. September startete der ADFC-Fahrradklima-Test. Bereits zum 10. Mal ruft der ADFC Radfahrende in ganz Deutschland dazu auf, das Fahrradklima in ihrem Ort zu bewerten. In einem Fragebogen kannst du einschätzen, wie sich das Radfahren in Lüneburg oder den umliegenden Gemeinden anfühlt, ob es Spaß macht oder stressig ist und ob die Verwaltung die Belange der Radfahrenden ernst nimmt.

Der Fahrradklima-Test findet alle zwei Jahre statt. 2020 landete Lüneburg mit der Note 4,04 auf Rang 59 von 110 in der Kategorie Städte mit 50.000-100.000 Einwohner*innen. Das ist schlechtes Mittelfeld. Besonders schlecht wurden die Punkte ‘Breite der Wege für Radfahrer/innen’, ‘Oberfläche der Wege für Radfahrer/innen’ und ‘Fahrradmitnahme im öffentlichen Verkehr’ bewertet. 

Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests helfen Städten und Gemeinden dabei, ihre Fahrradfreundlichkeit zu bestimmen und sind eine gute Grundlage für gezielte Verbesserungen im Radverkehr. Je mehr Menschen bei der Umfrage mitmachen, umso besser und verlässlicher wird das Ergebnis. Bitte nimm dir die Zeit, um an dem online-Fragebogen teilzunehmen und erzähl Freund:innen und Familie davon. 

Abgestimmt werden kann noch bis zum 30. November und ausgewertet werden nur Orte mit mindestens 50 Teilnehmenden.

Alle Infos und Teilnahme: fahrradklima-test.adfc.de

 

Werkzeugkasten Fahrradstadt

Mittwoch, 23. November 2022, 19:00-20:00 Uhr, Online-Veranstaltung (kostenlos)

Wie wird eine Stadt zur Fahrradstadt? Welche strategischen und operativen Maßnahmen sind wichtig – und wie funktioniert das konkret, wenn man eine Fahrradstraße oder -zone einrichtet? Wie bringt man den Radverkehr gut voran in einer Stadt mit Pflasterstraßen?

Nach einem Informationsteil sind die Teilnehmenden eingeladen zum Fragen und Diskutieren.

Thiemo Graf ist Fachautor von Handbüchern zum Radverkehr und Geschäftsführer des Instituts für innovative Städte (i.n.s.). Das Unternehmen begleitet Kommunen, Behörden und Ministerien in strategischen Fragestellungen, übernimmt Planung, Steuerung und Durchführung von Projekten sowie die Qualifizierung von Mitarbeitern.

Seit August 2022 ist Thiemo Graf Mitglied im Beirat Radverkehr, einem Expertengremium, das das Bundesministerium für Digitales und Verkehr bei der Umsetzung und Weiterentwicklung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP 3.0) unterstützt.

Die Online-Veranstaltung findet am Mittwoch, 23. November 2022, von 19:00-20:00 Uhr statt. Sie wendet sich an Verantwortliche und Interessierte und wird finanziell vom VCD Elbe-Heide unterstützt. 

Zugangsdaten (Zoom): https://zoom.us/j/95039166859

Thiemo Graf: 

Mehr Information:

  • Bundesverkehrsministerium: “Wissing beruft Beirat für Radverkehr” (25.08.2022) – mehr 20 Beiratsmitglieder (11 Frauen und 9 Männer) aus Verwaltung, Forschung und Lehre sowie Verbänden werden zunächst bis 2026 im Sinne des Nationalen Radverkehrsplans 3.0 gemeinsam mit dem BMDV daran arbeiten, mehr, besseren und sichereren Radverkehr in den Städten und ländlichen Räumen in Deutschland zu schaffen.
  • Thiemo Graf: Die Bedeutung guter und intuitiv erkennbarer Radverkehrsinfrastruktur – mehr Vortrag beim Radsymposium 2019 der AGFK Niedersachsen/Bremen e.V. “Gute Fahrt auf guten Wegen – Standards für Radverkehrsanlagen”
  • Thiemo Graf: Grundlagen für die Einrichtung von Fahrradstraßen und Fahrradzonen – mehr Gemeinde Timmendorfer Strand: Workshops Fahrradstraße
 

Habt ihr den Pop-Up-Radweg ausprobiert?

Vom 18.-22.9. hat der Radentscheid gemeinsam mit zahlreichen Lüneburger Initiativen und Verbänden (ADFC, Klimaentscheid, KlimaKollektiv, Fuss e.V., VCD, Parents For Future, Lastenräder für Lüneburg, JANUN und Fridays For Future) einen Pop-Up-Radweg in der Soltauer Straße eingerichtet.

War  das nicht ein wunderbares Gefühl, endlich mal auf einem ausreichend breiten Radweg in angemessener Geschwindigkeit fahren zu können?

Viel Begeisterung und positive Stimmen haben wir wahrgenommen: weniger Lärm, weniger Abgase für die Anwohner:innen, mehr Platz fürs Rad, gutes Signal in Richtung Verkehrswende, toller Einsatz für den Klimaschutz usw.

Wo ist hier der Radweg? – Viele Fragen, keine Antworten

Außerdem wurde aber auch deutlich, wie unklar vielerorts in Lüneburg und besonders auch in der Soltauer Straße die Radverkehrsführung ist.

Wie ist eigentlich das Fahrradfahren auf dem neuen Gehweg stadteinwärts gedacht? Wo ist da der Radweg?

Ist es

a) der dunkelgraue schmale Streifen links?

b) der hellgraue breite Streifen?

c) beides?

Was bedeutet das neue Verkehrsschild, auf dem sich Fußgängerin und Radfahrer abklatschen?

Genau – dass man dort auf dem Rad so langsam fahren muss, dass dies ohne Probleme möglich ist, nämlich Schrittgeschwindigkeit, also nicht mehr als 7km/h. Für den täglichen Weg zu Arbeit, Schule, Kita bergab fast nicht machbar. Und dann? Auf der Straße fahren, mit Anhänger inklusive drinsitzenden Kleinkindern und 7-Jähriger auf ihrem winzigen Fahrrad vorneweg, während Autos oft gefährlich nah und schnell überholen? Oder sich doch auf dem Gehweg entlangschlängeln und dabei Fußgänger:innen gefährden und sich gegenseitig auf die Nerven gehen?

Die einzige Lösung, um Konflikte und Unfälle zu verhindern, scheint wohl, dass Radfahrer:innen Rücksicht nehmen, langsam fahren oder schieben und so mal wieder auf den „richtigen“ Platz in der Hierarchie der Verkehrsteilnehmenden verwiesen werden: nach ganz unten. Das kann nicht sein!

Es wird Zeit für mehr Gleichberechtigung. In Anbetracht der Klimakrise muss CO2-neutrale Mobilität gestärkt und der Radverkehr so unterstützt werden, dass Fahrradfahren attraktiv und ungefährlich für viel mehr Menschen wird. Weil wir mit dem Rad dann nicht nur gesünder und umweltfreundlicher, sondern auch schnell und sicher unterwegs sein können.

Was für ein riesiger Gewinn wäre es für Lüneburg und seine Bürger:innen, wenn in der Soltauer Straße und an möglichst vielen anderen Orten in der Stadt der Autoverkehr einspurig geführt und breite Radwege errichtet würden – der Pop-up-Radweg hat gezeigt, dass das machbar ist. Natürlich läuft nicht alles von Anfang an problemlos und muss getestet und vielleicht verbessert werden. Aber der Weg ist der richtige und der einzig mögliche für eine lebenswerte Zukunft.

Parkst du noch oder lebst du schon?

Kickern statt Parken – Lüneburg macht mit beim weltweiten PARK(ing)-Day am 16.9.


Kaffeetrinken, kickern, quatschen – einen Eindruck davon, wie schön unsere Stadt mit ein paar mehr Grünflächen für Freizeit, Spaß und Spiel und ein bisschen weniger Platz für Autos sein könnte, haben die Lüneburger:innen am PARK(ing)-Day bekommen – mit umgestalteten Parkplätzen in der Neuen Sülze! Die Aktion hat der Radentscheid gemeinsam mit anderen Lüneburger Initiativen und Verbänden (ADFC, Klimaentscheid, KlimaKollektiv, Fuss e.V., VCD, Parents For Future, Lastenräder für Lüneburg, JANUN und Fridays For Future) umgesetzt.

Der PARK(ing)-Day fand im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche statt, die von der Europäischen Kommission initiiert wurde. Weltweit wurden innovative Verkehrslösungen ausprobiert und mit kreativen Ideen für eine nachhaltige Mobilität geworben. Dabei wurden u. a. Parkplätze im öffentlichen Straßenraum modellhaft menschenfreundlich umgestaltet. Es entstanden grüne Oasen, Gastronomie- und Sitzflächen, Orte für Nachbarschaftsgespräche, Konzertbühnen oder Fahrradabstellflächen.

Warum ist eine Verkehrswende notwendig?

Die städtischen Flächen sind begrenzt, die Einwohner*innenzahlen und der Verkehr nehmen in Städten jedoch weiterhin zu. Der heutige Verkehr, der größtenteils motorisiert ist, wirkt sich jetzt schon negativ auf die städtische Lebensqualität aus. Deswegen stellt sich die Frage: In welcher Stadt wollen wir leben? Für uns ist die Stadt der Zukunft eine Stadt, die grün, leise, barrierefrei und schadstoffarm ist.

Um diese Vision zu erreichen, ist unter anderem eine Transformation des Verkehrsbereichs notwendig. Dies bedeutet, dass stadtverträgliche Verkehrsmittel gefördert werden müssen, damit so viele Menschen wie möglich mit dem Bus, dem Rad oder zu Fuß mobil sein können. Dies bedeutet aber auch, dass der Straßenraum zugunsten dieser Verkehrsmittel neu aufgeteilt werden muss.

Andere Städte haben den Weg der Transformation bereits eingeschlagen, das schafft Lüneburg auch!

Und hier noch ein paar Fakten

zusammengestellt von Katja Diehl, Hamburger Autorin und Podcasterin mit dem Themengebiet Mobilität und Verkehrswende:

  • „Ein europäisches Auto ist 92 % der Zeit geparkt.
  • Es verbringt 1/5 der Fahrzeit mit Parkplatzsuche.
  • In Deutschland verbringen wir durchschnittlich 46 Stunden im Jahr im Stau.
  • Auf den fünf Sitzen im Pkw nehmen 1,5 Personen Platz, im beruflichen Pendelverkehr sind es laut Agora Verkehrswende 1,057 Personen.
  • 86 % des Kraftstoffs gelangen nie an die Räder, die meiste Energie, bewegt das Auto, nicht die Menschen.
  • Acht Menschen sterben täglich auf unseren Straßen. Jeder Verkehrstod traumatisiert 113 Menschen, von Ersthelfenden bis zu Familie und Kolleg:innen.
  • 880 Personen werden täglich bis zu schwerst verletzt.
  • Zwei Tonnen Stahl bewegen 80 Kilogramm Mensch.
  • Wenn wir alle Flächen zusammenzählen (Parkplätze und Straßenfläche) dann hat jedes Auto 100 Quadratmeter unserer Räume in Beschlag, diese sind versiegelt und damit eine Gefahr bei steigender Hitze, Fluten.
  • Das Auto ist das tödlichste Verkehrsmittel.
  • Es erzeugt 60 % des CO2 im Transportsektor.
  • Seine Reifen sind die größte Mikroplastikquellen.
  • Sein Lärm macht krank.“

CDU, SPD und Citymanagement auf dem Abstellgleis

Der Radentscheid Lüneburg sieht die Haltung von CDU, SPD und Citymanagement in der Parkplatzdiskussion kritisch. Zur Vorgeschichte: Der Rat der Hansestadt Lüneburg hatte in seiner Sitzung im Juli die weitere Umsetzung des Fahrradstraßenrings blockiert. Anlass war der von der SPD unterstützte Antrag „Parkraum in der Hansestadt“ der CDU-Fraktion im Stadtrat. Dieser sollte die Umwidmung bzw. den Wegfall von Parkplätzen entlang des Rings verhindern. Erstaunlich: bereits im November 2020 wurde die Baumaßnahme im Verwaltungsausschuss beschlossen.

Kommunalaufsicht: Abänderung des Beschlusses war nicht berechtigt

Inzwischen hat die Kommunalaufsicht Niedersachen nach Anrufung entschieden, dass der Stadtrat nicht berechtigt war, die einmal getroffene Entscheidung abzuändern. Damit kann der Ring nun wie geplant weiter gestaltet werden. Im Hinblick auf den Vorstoß der Fraktionen gegen den Wegfall von Parkplätzen, flankiert durch eine sogenannte online-Petition der CDU-Landtagskandidatin Anna Bauseneick, erwartet der Radentscheid von den Fraktionen konstruktive Beiträge zur Bekämpfung des Klimawandels statt wohlfeilen Populismus. Die CDU behauptet, es seien nicht genug Parkplätze vorhanden. Dabei ist seit langem bekannt, dass die citynahen Parkhäuser praktisch das ganze Jahr hindurch eine geringe Auslastung haben. Ein intelligentes Parkleitsystem kann z.B. dazu beitragen, den Parkplatzsuchverkehr effektiv in Richtung Parkhäuser zu lenken – also dorthin, wo Autos anderen Verkehrsteilnehmenden keinen Platz wegnehmen. Während Bauseneicks fragwürdige, weil ungeprüfte online-Petition lediglich ein paar Hundert Unterstützer:innen fand, haben nachweislich über 7.000 Menschen dem Radentscheid im Rahmen einer Unterschriftensammlung ihre Stimme gegeben. Für uns ist das ein deutliches Zeichen, dass eine echte Verkehrswende von vielen Lüneburger:innen gefordert wird.

CDU ignoriert Empfehlung der Klimaexpert:innen

Parallel zu diesen Ereignissen ist der beks-Klimabericht zur Treibhausgas- und Energiebilanz der Stadt zu dem alarmierenden Ergebnis gekommen, dass Lüneburg in puncto Klimaneutralität Jahrzehnte hinterherhinkt. Besonders im Verkehrssektor geht es mit der Reduktion von Treibhausgasen (THG) nicht voran. Für das Erreichen der Klimaziele müsste der Autoverkehr sofort reduziert, und andererseits der Rad- und Fußverkehr sowie der ÖPNV gestärkt werden, so der Bericht. Doch anstatt die Apelle der Expert:innen ernst zu nehmen, nahm die CDU erst auf unsere Anfrage und zudem sehr zögerlich zum beks-Bericht Stellung: sie setze sich für eine intelligente Ampelschaltung Richtung grüne Welle ein – selbstverständlich zugunsten von Autos. Dieser realitätsferne und hilflos wirkende Vorstoß ist im letzten Mobilitätsausschuss erneut krachend gescheitert. Laut Verkehrsexpert:innen sind schlicht zu viele Autos auf der Straße, um die Idee wirkungsvoll umzusetzen. Ein Armutszeugnis. Wir brauchen keine vagen Lippenbekenntnisse, sondern Akteur:innen, die kompetent konkrete Schritte einleiten. Bei der CDU sind sie derzeit leider nicht zu finden.

SOUNDRIDE – Präsentiert von RAD Performance und ensemble reflektor

WANN?  – Samstag, 1.10.2022 um 12 und 16 Uhr

START?  – Marienplatz

DAUER?   – ca. 1 Stunde

WAS BRINGE ICH MIT?  – Fahrrad und gute Laune!

Wie klingt die Stadt Lüneburg? Wie wird sich dieser Klang in der Zukunft verändern

Gemeinsam mit ensemble reflektor und der Medienkünstlerin Conny Zenk entwickelten Lüneburger:innen in „Records from an Emerging City“ eine klingende Vision städtischen Zusammenlebens und werden zu Komponist:innen ihrer eigenen Zukunft.

Zusammen mit Schüler:innen, Mitgliedern des Blinden- und Sehbehindertenverbands Niedersachsen e.V. , Studierenden und Beteiligten des Mosaique e.V. entstehen in einem kollaborativen Prozess drei City Soundtracks, welche in einer Soundride mit RAD Performance am 01.10.2022 an ihrem Entstehungsort uraufgeführt werden.

Wir bewegen und als Fahrradschwarm mit mobilen Lautsprechern  durch die Stadt. Die Straße wird zur Bühne, das Fahrrad zum Soundvehikel, die kollektive Ausfahrt zum Konzert.

Verkehrsversuche – Wichtiger Bestandteil der Verkehrswende

Ein Verkehrsversuch ist eine seitens der Straßenverkehrsbehörde veranlasste zeitweilige Maßnahme.
Verkehrsversuche simulieren mit provisorischen Mitteln eine andere Aufteilung des Straßenraums. Mit vergleichsweise wenig Aufwand kann ausprobiert werden, wie verschiedene Varianten am besten umgesetzt werden können und wo noch Verbesserungsbedarf besteht: Zum Beispiel bei der Errichtung einer sog. „Protected Bikelane“ oder einer „Umweltspur“ (ÖPNV und Radverkehr) mit Hilfe von Markierungen und Pollern.

Ziel der Versuche ist es, einerseits verschiedene Varianten der Verkehrsführung auszuprobieren und andererseits die jeweiligen Auswirkungen auf die Verkehrsströme zu untersuchen. Auf diese Weise können auch mögliche Verlagerungen von Durchgangsverkehren identifiziert werden. Zu diesem Zweck werden bereits vor dem Beginn der Maßnahmen umfassende Verkehrszählungen durchgeführt, um eine objektive Bewertungsgrundlage zu schaffen. Auch während der einzelnen Versuchsphasen werden umfassenden Erhebungen vorgenommen, um die Auswirkungen im Anschluss bemessen und bewerten zu können.

Beispiele

Berlin: Flaniermeile Friedrichstraße

Die Flaniermeile Friedrichstraße in Berlin-Mitte wurde als Verkehrsversuch durchgeführt und in ihren Wirkungen untersucht. Dort wurde der Kfz-Verkehr auf benachbarte Straßen umgeleitet. Der Radverkehr wurde auf Teilen der bestehenden Fahrbahn mit gelben Markierungen geführt. Der restliche Teil der Fahrbahn sollte außer für zeitweise frei gegebene Lieferfahrfahrzeuge dem Fußverkehr vorbehalten sein.

Hamburg: Ottensen macht Platz

Beim Verkehrsversuch „Ottensen macht Platz“ wurden 2019 mehrere Straßen für 6 Monate weitgehend von fahrendem und ruhendem Kfz-Verkehr befreit und die Flächen umgenutzt. Die Umsetzung als Fußgänger*innenzone wurde allerdings erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht Hamburg beklagt und deshalb im Februar 2020 vorzeitig abgebrochen. Im Mai 2022 wurde das Verkehrskonzept „Freiraum Ottensen“ nach einem umfangreichen Beteiligungsverfahren beschlossen.

Wiesbaden: Fußgänger*innenzone Wellritzstraße
Von April 2019 bis Ende 2020 wurde ein Abschnitt der Wellritzstraße mit Hilfe eines Verkehrsversuchs in eine Fußgänger*innenzone umgewandelt. Es ist geplant, dass ein Teil der Straße dauerhaft in eine solche Zone umgewandelt werden soll.
Dafür liegen bereits die entsprechenden Beschlüsse vor. Der zweite Abschnitt befindet sich noch in der Testphase. Aus Sicht der Stadt spreche vieles dafür, die Straße dauerhaft umzugestalten. Denn so schaffe man im Inneren Westend einen Raum für Anwohner*innen, Passant*innen und Kinder, „der nicht von Autos, sondern von Menschen geprägt ist.“

Lübeck: Fackenburger Allee
Vom 22. Juli bis voraussichtlich Dezember 2022 läuft die erste Projektphase eines ergebnisoffenen Verkehrsversuchs. Damit reagiert die Stadt Lübeck auf zahlreiche Forderungen für mehr Klimaschutz und mehr Lebensqualität in der Hansestadt. „Das Projekt ist eine große Chance und ein wichtiger Auftakt für die Mobilitätswende in Lübeck. In den kommenden Monaten werden wir viele aussagekräftige Erkenntnisse gewinnen können, um auch langfristig zukunftsfähige und faire Verkehrskonzepte zu entwickeln“, betont Bausenatorin Joanna Hagen.

Freitag, 16. September: PARK(ing)-Day

Gestalte einen Parkplatz für einen Tag um.

Parking Day ist ein seit 2005 international jährlich begangener Aktionstag zur Re-Urbanisierung von Innenstädten: Am dritten Freitag des Septembers werden Parkplätze im öffentlichen Straßenraum modellhaft kurzfristig umgewidmet und einer anderen Nutzung zugeführt, etwa als grüne Oase bzw. Pflanzinsel, als Gastronomie- und Sitzfläche, als Fahrradabstellfläche usw.

Anleitung – Schritt für Schritt

Die nachfolgende Anleitung ist nur eine kurze Zusammenfassung. Die ausführliche Version findest du beim VCD: Wem gehört die Straße?

Eine bekannte Straße einmal anders zu nutzen, lässt neue Sichtweisen entstehen und macht Spaß. Wir zeigen dir, wie dein PARK(ing) Day gelingt:

1 – Finde deinen PARK-Platz

2 – Suche dir Mitstreiter*innen

3 – Besorge dir Materialien für deinen PARK-Platz

4 – Melde deine Aktion bei der Stadt Lüneburg an (dieser Punkt ist von uns ausführlicher beschrieben worden)

Um dich rechtlich einwandfrei abzusichern, zeige deine Aktion mindestens 48 Stunden vor dem Bewerben per Email beim Ordnungsamt [email protected] an. Hier ist ein Beispiel, wie so eine Email aussehen könnte:

Betreff: Anzeige einer Versammlung am PARK(ing)-Day in Lüneburg
Sehr geehrte Damen und Herren,
anlässlich des PARK(ing)-Days am 16.09.2022 zeige ich folgende Versammlung an. Ziel der Versammlung ist auf den hohen Flächenverbrauchs durch Parkplätze hinzuweisen und eine Alternative aufzuzeigen.

– Datum und Uhrzeit: 16.09.2022, von … bis …
– Anmelder*in:
– Ort: Straße und Nr. oder Beschreibung, wo der Parkplatz genau ist
– Anlass: PARK(ing) Day
– Teilnehmer*innen: 2-10 Personen (es kommt darauf an was man macht, aber mehr Menschen passen eig. Nicht auf einen Parkplatz)
– Kundgebungsmittel: Hier kommt es ganz darauf an, wie ihr euren Parkplatz gestalten wollt: z.B: Sitzgelegenheiten, Straßenmalkreide, Rollrasen, Blumentöpfe, Musik, Bücherregal, Tischtennisplatte, Fahrrad, Lastenrad, … . Tragt hier einfach die wichtigsten Gegenstände ein, die ihr mitbringen wollt.

Wenn ich Ihrerseits innerhalb von 48 Stunden keine widersprechenden Informationen erhalten, gehe ich davon aus, dass meinem Anliegen nichts im Wege steht. Bitte melden Sie sich bei uns, wenn Bedarf nach einem Kooperationsgespräch besteht. Bestätigen Sie uns bitte die Anmeldung schriftlich.

Mit freundlichen Grüßen,

5 – Gestalte deinen PARK-Platz

6 – Belebe deinen PARK-Platz

7 – Mach Bilder für die Nachwelt

8 – Sorge hinterher wieder für Ordnung

Materialliste
– ein Fahrrad oder Lastenrad
– Rollrasen und Blumentöpfe
– Sitzgelegenheiten und Tische
– Brett- und Kartenspiele
– Straßenkreide
– Kaffee und Kuchen
– ggf. ein Absperrband und Warnkegel
– und was dir sonst noch einfällt – deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Mehr Informationen: Wem gehört die Straße?

Stadtradeln 2022: Lüneburger:innen radeln auf Platz 2

Dieses Jahr konnten die Lüneburger:innen nicht ganz ihr sensationelles Vorjahresergebnis erreichen. Trotzdem reicht es für Platz 2: 1832 Lüneburger:innen radelten wieder drei Wochen für das Klima und haben unglaubliche 322.509 Kilometer zurückgelegt. Damit haben die Lüneburger:innen den 2. Platz unter den Städten bis 100.000 Einwohnern in Niedersachsen erlangt !!!

Es wurden fast 50000 kg CO2 eingespart.

Schön ist auch, dass es in diesem Jahr 12 (im Jahr 2021 waren es 8) sogenannte Parlamentarier-Kilometer gibt. Vereinfacht ausgedrückt gibt diese Größe an, wie viele Kilometer Parlamentarier*innen in Abhängigkeit zur Beteiligungsquote der Parlamentarier:innen beim STADTRADELN gefahren sind.

Bundesweit liegt Lüneburg unter den Städten bis 100.000 Einwohnern auf dem 17. Platz. 2021 lag Lüneburg noch auf dem 7. Platz.

Der Radentscheid war auch wieder beteiligt. Im stadtweiten Ranking liegt der Radentscheid Lüneburg mit mehr als 14129 zurückgelegten Kilometern auf Platz 6.

Erschreckende Klimabilanz für Lüneburg

Im Mai 2022 wurde von der Firma beks die Energie- und Treibhausgasbilanz für die Stadt Lüneburg auf Grundlage der Daten von 2017 bis 2019 vorgestellt. Der Verkehrssektor zeigt eine sehr negative Entwicklung: Während in allen anderen Sektoren (z.B. Gewerbe, Privathaushalte etc.) eine Reduktion der Energieberbräuche um 4 bis 10% festzustellen ist, findet im Verkehrssektor eine Stagnation statt.

Der Verkehr verursacht 25% der Teibhausgas-Emissionen in der Stadt, der MIV (motorisierter Individualverkehr) macht 64% der THG-Emissionen aus, der ÖPNV nur 5%.

Das erschreckende Fazit des Berichts ist, dass die geplanten Klimaschutz-Maßnahmen der Stadt die Klimaneutralität bis 2030 nicht herstellen können, noch erschreckender ist, dass die Klimaneutralität auf diese Weise noch nicht einmal bis 2045 erreicht werden kann.

Daher empfehlen die Experten, dass ein Plan mit priorisierten Maßnahmen erstellt und sofort umgesetzt werden muss. Die wichtigsten Handlungsfelder im Verkehrsbereich sind die Reduktion des MIV, der Ausbau des ÖPNV und der Ausbau des Rad- und Fußverkehrs.

Aus Sicht des Radentscheids kann nicht bis 2025 auf Maßnahmen des NUMP (nachhaltiger Umwelt- und Mobilitätsplan) gewartet werden, auf den die Stadt und die Parteien bei jeder Gelegenheit verweisen, die geforderten Sofortmaßnahmen der Verkehrswende-Iniativen abzuwehren. Es muss sofort gehandelt werden. Wir brauchen jetzt, sofort:

  • Verkehrsversuche, um Verkehrsflächen zugunsten des Umweltverkehrs (Rad, Fuß, ÖPNV) umzuverteilen und bei Erfolg zu verstetigen, z.B. Einbahnstraßenregelungen auf dem Stadtring, Pop-up-Radwege und Umweltspuren
  • Abbau von Barrieren im Rad- und Fußverkehr (Absperrgitter entfernen, Einbahnstraßen öffnen etc.)
  • Großflächige Ausweisung von Tempo 30 – Zonen
  • Reduktion des motorisierten Individualverkehrs in der Stadt, z.B. durch Abbau öffentlicher Stellplätze an den Straßen
  • Massive Verbesserung der Angebote für den ÖPNV, dabei vor allem die Anbindung des Landkreises verbessern
Quelle: beks EnergieEffizienz — Mai 2022 Energie und THG-Bilanz, Potenziale & Szenarien Hansestadt Lüneburg

Inhalts-Ende

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