Fahrradstraßenring auf der Kippe – der Streit um die Ilmenaustraße und die Folgen

CDU, FDP und SPD blockieren - der Streit um die Ilmenaustraße und die Folgen

Wer die letzten Mobilitätsauschüsse und die Ratssitzung verfolgt hat, war Zeuge eines beispiellosen Wendemanövers der etablierten Parteien. Obwohl seit vielen Jahren die Gestaltung eines Fahrradstraßenrings rund um die Innenstadt politisch beschlossene Sache ist und Fördergelder dafür längst eingeworben sind, werden die Radfahrenden im November 2025 erneut massiv ausgebremst – zugunsten von Parkplätzen. 

Folgende politischen Beschlüsse aus den letzten Jahren betonen die Notwendigkeit der Radverkehrsförderung und die Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs (MIV), um mehr Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit für Lüneburg zu erreichen:

  • Konzept „Radverkehrspolitik 2030+“ wurde 2019 einstimmig im Verkehrsausschuss befürwortet
  • „Beitritt“ zu Klimaentscheid und Radentscheid per Ratsbeschluss 2021 und 2022
  • „Klimaschutzplan 2030“ (Ratsbeschlüsse dazu 2021 und 2024), der u.a. die Förderung des Umstiegs vom Auto aufs Fahrrad, die Bevorrechtigung des Radverkehrs und die Einrichtung von Fahrradstraßen verlangt
  • Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) am 20.3.2025 im Rat beschlossen. Hier werden als Ziele z.B. genannt, dass der MIV in der Innenstadt geringere Bedeutung haben, in der Innenstadt überwiegend in Parkhäusern geparkt und ein durchgängiges und lückenloses Wegenetz für den Radverkehr entstehen solle.

Für all diese Konzepte ist der Fahrradstraßenring eine zentrale Infrastrukturmaßnahme und 2020 verkündete Ex-OB Ulrich Mägde vor laufenden Kameras den Willen zur Umsetzung „noch in diesem Jahr“. Trotz der schon lange bekannten Planungen über den Verlauf muss die Umgestaltung jedes einzelnen Abschnitts mühsam in den Gremien errungen werden und es gab schon bei der Wall- und der Haagestraße zähe Verhandlungen über jeden einzelnen Parkplatz, der wegfallen sollte. Denn: In einer „unechten“ Fahrradstraße sind Autos zwar erlaubt, wenn auch die Fahrräder Vorrang haben und z.B. nebeneinander fahren dürfen. Für Parkplätze in Fahrradstraßen wird jedoch empfohlen, nur Längsparkplätze (vornehmlich für Anwohnende) zuzulassen, da das Ein- und Ausparken mit Beeinträchtigungen und Gefahren für die Radfahrenden verbunden ist. CDU und FDP behaupten gern, besonders in Wahlkampfzeiten, dass jeder fehlende Parkplatz einen Sargnagel für den Einzelhandel darstellt – obwohl es mehr als ausreichend Parkraum in den Parkhäusern der Innenstadt gibt.

Demokratische Entscheidungen sind kein Spielball!

Für die Gestaltung der Ilmenaustraße gab es nun im September 2025 verschiedene Entwürfe: ohne Parkplätze, mit ausschließlich Längsplätzen und mit einer Mischung aus Quer- und Längsparkplätzen. Wir als Radentscheid forderten für die Ilmenaustraße öffentlich die Variante ganz ohne Parkplätze, da nur auf diese Weise neben der Fahrradfreundlichkeit auch die Aufenthaltsqualität für Fußgänger:innen am Fluss steigen würde. Bitter, dass für den Umbau der Ilmenaustraße dann von der Verwaltung doch nicht die fahrradfreundliche Umbauvariante ohne oder mit Längsparkplätzen (u.a. mit dem Hinweis auf die jährlichen Einnahmen aus den Parkautomaten), sondern „Mischparken“ mit dem Wegfall von nur wenigen Parkplätzen empfohlen wurde. Der, vermutlich als für alle zustimmungsfähige Kompromiss erachtete Vorschlag der Verwaltung, wurde aber letztlich im November von der bornierten Front aus CDU, FDP und nun auch SPD vom Tisch gewischt. Diese Ratsmehrheit, die offenbar der Oberbürgermeisterin nicht den kleinsten Erfolg gönnt, verlangt, dass gar keine Parkplätze wegfallen, der Autoverkehr also gar nicht eingeschränkt – und dadurch die Fahrradstraße eigentlich nicht mehr fahrradfreundlich wird. Man kann eigentlich nur hoffen, dass bei dieser Variante auch keine Fördergelder abgerufen werden können und sollte auch dafür sorgen, dass das Label “Fahrradfreundliche Kommune” möglichst schnell wieder aberkannt wird! 

Diese Beugung der demokratischen Beschlüsse und Missachtung des Willens von tausenden Lüneburger:innen werden wir nicht akzeptieren!

Mehr zur Debatte s. auch hier:

ADFC Lüneburg:

https://lueneburg.adfc.de/neuigkeit/die-unmoegliche-aufgabe

Lüneblog:

Mehr Sicherheit für Schulkinder: keine Elterntaxis vor Grundschulen

In anderen Städten wie Köln, Berlin und Frankfurt am Main gibt es sie bereits: Schulstraßen. Das sind Straßen, in denen eine Grundschule liegt und die stets eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn und nach Unterrichtsende für den motorisierten Verkehr gesperrt werden.

Dies erhöht nachweislich die Sicherheit für Kinder auf dem Schulweg, denn jüngere Schüler:innen sind noch unerfahren im Straßenverkehr und schätzen manche Situationen falsch ein. Dadurch, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis direkt vor die Schule fahren, entstehen aber gerade Gefahrensituationen, die schwer zu überblicken sind.

 

In Lüneburg ist nach den Herbstferien ein Pilotprojekt gestartet: Die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße, in der die Grundschule im Roten Felde liegt, wurde als Schulstraße eingerichtet und ist nun montags bis freitags zwischen 7:30 bis 8 Uhr, 12:45 bis 13:15 Uhr und 15:15 bis 15:45 Uhr für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Damit Eltern ihre Kinder trotzdem mit dem Auto zur Schule bringen können, wenn sie es für notwendig erachten, gibt es in der Nähe der Schule eine sogenannte Elternhaltestelle.

O-Ton einer Elterntaxifahrerin: ”So toll, sicher und total entspannt.”

Wir finden: ein guter Schritt und hoffen, dass die Schulstraße Bestand hat und weitere bald folgen.

 

Fotos (c) Radentscheid, Titelfoto KI-generiert

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Verkehrswende-Mythen im Faktencheck – Teil 1: Weniger Autoverkehr schadet dem Einzelhandel

Es kursieren viele Mythen über die Verkehrswende, die wir in unserer neuen Reihe einem Faktencheck unterziehen wollen.

Mythos 1: Weniger Autoverkehr schadet dem Einzelhandel

Kaum ein Argument taucht in der Debatte um die Verkehrswende so häufig auf wie dieses: Wenn Parkplätze wegfallen und Straßen für Autos gesperrt oder beruhigt werden, würde der Einzelhandel leiden. Doch die Forschung und viele Praxisbeispiele zeigen ein anderes Bild.

 

Woher der Mythos kommt

Autos gelten seit Jahrzehnten als Garant für Kundschaft. Händler:innen vermuten oft, dass ein Großteil ihrer Umsätze von Autofahrenden abhängt. Diese Wahrnehmung verstärkt sich, wenn Läden wegen Umsatzeinbußen schließen müssen. In Lüneburg machten kurioserweise gerade Eigentümer:innen von Geschäften, die über Parkplätze fast unmittelbar vor der Ladentür verfügten, wie das Bekleidungsgeschäft Sellnau in der Bardowicker Straße, die Verkehrswende für ihr Ladensterben verantwortlich.

Was Studien sagen

Händler:innen überschätzen den Anteil der Kundschaft, die mit dem Auto kommt (1)(2). In vielen europäischen Städten liegt der Anteil der Autokundschaft im innerstädtischen Handel bei nur 10 bis 30 Prozent. Der Großteil des Umsatzes der innerstädtischen Geschäfte wird mit Kund:innen erzielt, die gar nicht mit dem Auto anreisen (3). Fußgänger:innen, Radfahrende und ÖPNV-Nutzende geben in Summe mehr Geld aus, weil sie häufiger einkaufen. So zeigen Kundenbefragungen, dass radfahrende Kund:innen zwar je Einkauf weniger Geld ausgeben als diejenigen, die mit dem Auto anreisen, dieses jedoch durch eine höhere Einkaufsfrequenz wieder wettmachen. Aufs Jahr gerechnet bewirken sie dadurch weit höhere Umsätze als Kund:innen mit Auto. So kam eine breite Studie am Beispiel von 8 deutschen Städten zu dem Ergebnis, dass die zu Fuß gehenden Kund:innen beim Umsatz mit durchschnittlich 762 € pro Jahr deutlich vorn liegen, an zweiter Stelle finden sich ÖV‐Anreisende mit 598 € Umsatz pro Jahr, gefolgt von den Radfahrenden mit 569 € Umsatz pro Jahr. Kfz‐Anreisende stehen mit 477 € Umsatz pro Jahr an letzter Stelle (3).

 

Deutlich ist auch: Verkehrsberuhigung ist grundsätzlich gut für den Einzelhandel. Eine bessere Aufenthaltsqualität und höhere Kund:innenfrequenzen führen meist zu einer Stabilisierung bzw. Steigerung der Umsätze und nach Verkehrsberuhigung, der Einrichtung von Fußgängerzonen oder einer Verbesserung der Radinfrastruktur steigen die Umsätze in den meisten Fällen – oft deutlich (2)(4)(5). Auch die Annahme, dass der Einzelhandel von Straßenparkplätzen im direkten Umfeld eines Geschäfts profitiere, ist irrig. Im Gegenteil zeigen Studien, dass eine hohe Anzahl von Straßenparkplätzen im Umkreis von 100 Metern den Mietwert einer Gewerbeimmobilie senkt, während Parkmöglichkeiten im erweiterten Umkreis von 100 bis 500 Metern den Mietpreis positiv beeinflussen. Geschäftsflächen gewinnen demnach an Wert, wenn die unmittelbare Umgebung nicht von parkenden Autos geprägt wird, gleichzeitig aber genügend Parkplätze in fußläufiger Entfernung verfügbar sind (2) – so wie es auch in Lüneburg durch viele Parkhäuser in der Innenstadt gegeben ist. Denn eine angenehme Aufenthaltsqualität lockt mehr Menschen in Geschäfte, die eher konsumieren. Breitere Gehwege, Außengastronomie oder Bäume tragen dazu bei. Mit geeigneten Maßnahmen und Investitionen in den Radverkehr können Städte und Gemeinden ihre Attraktivität und Aufenthaltsqualität deutlich verbessern (4).

Der Einzelhandel profitiert auch bei der Personalgewinnung: Lebensqualität und ein hochwertiges Angebot im Umweltverbund sind für die überwiegende Zahl der Unternehmen wichtige Standortfaktoren, da sie besonders von jungen, gut ausgebildeten Fachkräften besonders geschätzt werden und Arbeitgeber:innen einen Vorsprung im überregionalen Arbeitsmarkt verschaffen (4).

Der eigentliche Wettbewerbsvorteil

Dass der Umsatz im stationären Einzelhandel seit Jahren zurückgeht, hat vielfältige und ganz andere Ursachen als die Verkehrswende, nämlich vielmehr die zunehmende Konkurrenz mit dem Onlinehandel, hohe Ladenmieten und die Inflation. Was die Innenstädte stark macht, ist nicht die Zahl der Parkplätze, sondern die Aufenthaltsqualität: kurze Wege, Sicherheit, Begrünung, kulturelle Angebote (2)(6). Genau das fördert die Verkehrswende.

Für Lüneburg zeigte kürzlich eine Studie des Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH), dass die Aufenthaltsqualität im Vergleich zu anderen Städten gleicher Größe überdurchschnittlich ist und einzig bei der Stadtbegrünung hinter den Durchschnitt zurückfällt. Um Innenstadtbesuche attraktiver zu gestalten, spielen Parkmöglichkeiten als Erfolgsfaktor laut der Studie überhaupt keine Rolle, stattdessen werden von Besucher:innen eine weitere Verbesserung des öffentlichen Toilettenangebots, die weitere Umgestaltung zu einer grünen Innenstadt und Maßnahmen gegen Leerstand gewünscht (5).

Fazit

Der Mythos, weniger Autoverkehr schade dem Einzelhandel, hält einer Faktenprüfung nicht stand. Im Gegenteil: Verkehrsberuhigung, mehr Platz für Rad- und Fußverkehr und eine höhere Aufenthaltsqualität stärken die Attraktivität der Innenstädte und damit auch die Umsätze. Wer Handel fördern will, sollte also nicht am Auto festhalten, sondern die Stadt lebenswerter machen.

 

Quellen:

  1.       von Schneidemesser, Dirk, and Jody Betzien. 2021. “Local Business Perception vs. Mobility Behavior of Shoppers: A Survey from Berlin.” Findings, June. https:/​/​doi.org/​10.32866/​001c.24497; Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (Research Institute for Sustainability, RIFS) des Helmholtz-Zentrums für Geoforschung, Potsdam, „Mobilität beim Einkaufen: Händler überschätzen Rolle des Autos“ https://www.iass-potsdam.de/de/news/mobilitaet-beim-einkaufen-haendler-ueberschaetzen-rolle-des-autos

 

  1.       Bauer, Christ, Sönksen, Pfitzinger. 2025. „Dann wird’s laut“ – Deutsches Institut für Urbanistik Policy Papers 5, difu 03/2025 https://www.die-stadtretter.de/wp-content/uploads/2025/04/Difu_Policy_Papers_2025-5_Verkehrsberuhigung_Einzelhandel.pdf

 

  1.       Große, Böhmer (Fachbereich Verkehrs‐ und Transportwesen, Fachhochschule Erfurt). 2019. „Radverkehr in Fußgängerzonen“ Endbericht für das Forschungsprojekt „Mit dem Rad zum Einkauf in die Innenstadt – Konflikte und Potenziale bei der Öffnung von Fußgängerzonen für den Radverkehr“ https://www.mobilitaetsforum.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Projekte/17753_Mit-dem-Rad-einkaufen_Endbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=2
  2.       Bundesministerium für Digitales und Verkehr. 2022. Nationaler Radverkehrsplan 3.0. https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/StV/nationaler-radverkehrsplan-3-0.pdf?__blob=publicationFile
  3.       Arancibia, Farber, Savan, Verlinden, Smith Lea, Allen, Vernich. 2019. „Measuring the Local Economic Impacts of Replacing On-Street Parking With Bike Lanes  – A Toronto (Canada) Case Study“  https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/01944363.2019.1638816?scroll=top&needAccess=true)
  4.       Preißner (IFH). 2025. „Studie Vitale Innenstädte 2024 – Faktenwissen und Handlungsleitfaden zur Vitalisierung von Innenstädten“ https://www.ifhkoeln.de/produkt/vitale-innenstaedte-2024-2/

 

 

 






Armes Lüneburg

Something is rotten in the Stadt of Lüneburg! (Es folgen keine weiteren halbgaren Wortspiele –  versprochen).  Kurzer Blick auf andere Städte in der Region: in Bremen beträgt der Fahrrad-Modal-Split  25%(= prozentualer Anteil an den Verkehrswegen), die Stadt hat Rad-Premiumrouten und baut weitere; Kiel verfügt ebenfalls über Velorouten und baut an einem von Bund und Land massiv geförderten Straßenbahnnetz; Lübeck beginnt mit der Planung desselben; Hamburg hat den Jungfernstieg für den PKW-Verkehr gesperrt. Die stärksten Fraktionen in den genannten Städten sind jeweils SPD und Grüne (Kiel).

 

Schaut man sich im Vergleich dazu die Verkehrspolitik einer CDU-regierten Stadt an, lohnt sich ein Blick nach Berlin. Denn dort kann man sehr gut beobachten, was passiert, wenn eine rechte Partei eine Mitte-Links-Koalition ablöst. Projekte für mehr Verkehrssicherheit werden eingestampft, protected bike lanes werden zurückgebaut, Tempo-30- in Tempo-50-Zonen umgewandelt. Einen vorläufigen Höhepunkt findet die aggressive und die Stadtgesellschaft spaltende Pro-Auto-Politik in der Eröffnung eines neuen Abschnitts der A100. Trotz aller Warnungen drückte die Berliner CDU deren Freigabe durch. Ein Feature des SPIEGEL offenbart die desaströsen Folgen für den angrenzenden Kiez: “Stress für Anwohner und Verkehrsteilnehmer ist rund um die Berliner Elsenstraße Alltag… Jetzt ist ein großer Stressfaktor dazugekommen: vom Autobahnende fließt der Verkehr in den ohnehin verstopften Kiez… Die Anwohner fühlen sich überrollt…. Auf dem Kita-Weg ist es normal, dass man zwischen Autos läuft.” Eine „echt dreiste“ Forderung stellt der Sprecher einer Gegendemo: “Wir möchten bei Grün über die Straße gehen können.” Fazit: “Stau, Lärm, unglaublich aggressive Autofahrer – und die Polizei hat scheinbar komplett kapituliert.” (Letzteres muss man übrigens auch in Lüneburg konstatieren: Polizei und Verwaltung räumten jüngst ein, dass sie gegen die massenhaften Geschwindigkeitsverstöße im Ochtmisser Kirchsteig nichts ausrichten können. Die Straße wird genau wie im Beispiel Berlin auf Basis einer ideologischen, ignoranten und unfähigen Verkehrspolitik zum rechtsfreien Raum. Gut zu beobachten z.B. auch am Ochsensmarkt oder in der Salzstraße)

Jetzt kann man natürlich einwenden, dass die Grünen in Lüneburg ja nun auch die stärkste Fraktion stellen. Stimmt – aber wir haben hier eine besondere Situation. Zur CDU als Widersacherin ist eigentlich fast alles gesagt, vielleicht dies noch – zum Thema Verkehrssicherheit verbreiten die regionalen Granden folgenden „genialen“ Gedanken: Es brauche gar keine sicheren Fahrradwege – wenn sich alle einfach nur an die Verkehrsregeln hielten, dann funktioniere das mit der Sicherheit und dem Miteinander im Straßenverkehr doch automatisch.

Nach dieser Logik müsste die CDU im kommenden Winter den Verzicht auf Betonbarrieren rund um den Weihnachtsmarkt fordern – denn wenn alle sich an die Regeln halten und niemand einen Anschlag plant, sind die Fahrzeugblocker doch eigentlich überflüssig. Wie auch immer: die regelmäßig in Richtung der Radfahrenden fingerzeigende Lehrmeisterei zeigt angesichts der beschriebenen Zustände nochmal besonders krass, wie weltfremd und einseitig interessengeleitet die Autopartei agiert. Geschenkt.

 

Denn das eigentliche Problem in Lüneburg ist die SPD. Wo sie in anderen Städten zumindest teilweise fortschrittliche Ansätze einer nachhaltigen Verkehrspolitik mitträgt, verfolgt sie nach einer durch Wahlniederlage erzeugten narzisstischen Kränkung vorrangig nur ein Ziel – die grüne Oberbürgermeisterin und ihre Verwaltung zu diskreditieren, wo und wann immer es geht. Für diesen Zweck ist die Partei sich auch nicht zu schade, die Umsetzung eigener einstmals gefasster Beschlüsse zur Verkehrswende nunmehr zu torpedieren – und im Einklang mit der CDU, die dafür erforderlichen Mehrheiten zu generieren – zum Beispiel, um den einst vielversprechenden NUMP mehr oder weniger ins Jenseits zu befördern. Das Ergebnis dieser desaströsen Dynamik sind gefühlter Stillstand und Lethargie in einer Stadt, die in puncto Verkehrsentwicklung und Lebensqualität nach und nach abgehängt wird.

Die geballte verkehrspolitische Inkompetenz und Bräsigkeit einer Mehrheit im Stadtrat lässt einen schon erschaudern. Umweltfreundliche Mobilität, autofreie Innenstadt, Stauvermeidung, Lärm- und Abgasreduktion, Entsiegelung, Schwammstadt, sichere Verkehrswege: „Nett, aber bitte nicht bei uns.“ Stattdessen: A39,

Verbrennermotor, gefährliche Kreuzungen, Parkplätze Parkplätze Parkplätze, zusätzliche Autospuren. Willkommen in der Vergangenheit.

 

Was tun? Glücklicherweise wird die Stadt durch viele fortschrittliche Initiativen und Gruppen belebt, die falschen Entscheidungen und ablenkenden Scheinargumenten hörbar etwas entgegensetzen. Ihren Einsatz leisten sie für ein lebenswertes Lüneburg. Leider ist dieses Korrektiv von unten bitter nötig. Denn eine große Anzahl einflussreicher Akteur:innen verfolgt politische Ziele nicht für, sondern gegen die Menschen in der Stadt. 

Keine Parkplätze in der Ilmenaustraße – Naherholung und mehr Sicherheit für den Radverkehr

Die Ilmenaustraße in Lüneburg ist Teil des geplanten Fahrradstraßenrings rund um die Innenstadt. Wir freuen uns sehr, dass dieser Teil des Rings nun bald in die Tat umgesetzt wird! Damit diese Verbindung aber wirklich sicher und attraktiv wird, fordern wir bei den Umbaumaßnahmen weitsichtiges Vorgehen: Weder quer noch längs brauchen wir Parkplätze direkt an der Ilmenau! In unmittelbarer Nähe sind genügend Parkflächen für Autos vorhanden. 

Das Ein- und Ausparken sowie der ständige Suchverkehr sind ein erhebliches Risiko für Radfahrende und passen nicht zum Konzept einer Fahrradstraße. Besonders problematisch ist dabei die von der Verwaltung ins Spiel gebrachte Variante Querparken: Beim Rückwärtsausparken müssen Autofahrende die Fahrradstraße queren, haben jedoch nur eine eingeschränkte Sicht – Radfahrende werden dadurch massiv gefährdet.

 Keine Parkplätze in der Ilmenaustraße bedeutet keinesfalls Parkplatznot. Die nahegelegenen Parkhäuser sind derzeit nur zu 40 bis 60 Prozent ausgelastet.

Die Ilmenaustraße ist ein städtebaulicher Schatz! Direkt am Fluss gelegen, könnte sie Raum zum Flanieren, Kaffee trinken, plaudern, spielen und entspannen bieten und so zu einem ruhigen und grünen Naherholungsgebiet mitten in der Stadt werden. Und ganz nebenbei würde Lüneburg auch den geplanten Klimazielen wieder ein Stück näher kommen. Dafür braucht es kaum Umbaumaßnahmen, das Potenzial ist da! Nur wenige Städte können eine solche Attraktion vorweisen – diese Chance sollten wir nutzen, statt sie mit parkenden Autos zu blockieren.

 Foto: Ein Gedankenspiel als Zielrichtung: So könnte die Ilmenaustraße aussehen: mehr Raum für Leben und Sicherheit, statt für Autos.

Mobilität für alle! – Europäische Mobilitätswoche in Lüneburg vom 16.-22.9.2025

Die Europäische Mobilitätswoche (EMW) ist eine Kampagne, die von der Europäischen Kommission koordiniert wird, um das Bewusstsein für nachhaltige Mobilität zu stärken.

Die Hansestadt Lüneburg nimmt zum dritten Jahr in Folge teil und lädt zu verschiedenen Veranstaltungen ein.

Veranstaltungen rund um die EMW

  • Protected Bike Lane – Dienstag, 16. September 2025 – Lindenstraße (VCD)
  • PARKING DAY – Freitag, 19. September 2025 – Bardowicker Straße (VCD)
  • Night Ride auf dem Lüneburger Stadtring – Samstag, 20. September 2025 (VCD)
  • Commons Zentrum: Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt – 17./21. September 2025
  • Mobilität gerecht gestalten: Rundgang und Workshop – Donnerstag, 18. September 2025
  • Bereich Klimaschutz der Hansestadt: Tour de Klimaanpassung – Donnerstag, 18. September 2025
  • Literaturbüro Lüneburg: Lesung „Mann am Steuer“ – Montag 22. September 2025
  • SCALA-Kino: Film „Das Mädchen Wadjda“ – Donnerstag, 25. September 2025

Mehr bei Lüne-Blog: Europäische Mobilitätswoche 2024 macht Lust auf klimafreundlichen Verkehr 

Neuer Radweg am historischen Hafen ist fertig!

Freie Fahrt auf dem neuen Radweg am historischen Hafen: Zwischen Salzstraße am Wasser und Behördenzentrum wurde die  Lücke auf dem Radweg zwischen Bardowick und Lüneburgs Innenstadt geschlossen.

Für den Bau des Radweges wurde das alte Pflaster durch ein ebenes Betonsteinpflaster ersetzt, vereinzelt wurden glatte Natursteine ergänzt, damit der Weg sich optisch möglichst dem historischen Umfeld anpasst. 

Die entnommenen Natursteine aus dem Alten Hafen werden demnächst in Lüneburg wieder eingebaut – und zwar in der Rotehahnstraße, die derzeit denkmalgerecht umgestaltet wird.

Mehr dazu

Wandelwoche 2025 – Ausstellung unserer Utopienbilder im alten Lünebuch

2025 steht im Zeichen des Wandels – die Wandelwoche hat begonnen ! 

Für Vielfalt, Demokratie und Nachhaltigkeit.

Vom 5. bis 14.9.2025

Über 80 Veranstaltungen von über 60 Initiativen.

Wir als Radentscheid Lüneburg sind auch dabei und stellen unsere Utopienbilder im alten Lünebuch-Gebäude am Markt aus. Schaut vorbei und diskutiert mit. So schön könnte es sein!

Mehr zur Wandelwoche und zum Programm findet ihr hier:

Programm Wandelwoche

 

Das war die 4. Kidical Mass in Lüneburg

Am Sonntag, dem 11. Mai 2025, versammelten sich rund 200 Radfahrerinnen und Radfahrer in Lüneburg zur vierten Kidical Mass, um für sichere und kinderfreundliche Radwege zu demonstrieren. Unter dem Motto „Wir holen uns die Straße zurück“ startete die Tour auf dem Marktplatz und führte über die Bardowicker Straße durch die Stadt, begleitet von der Polizei. Ziel war der Kurpark, wo die Veranstaltung mit einem Familienfest ausklang.

Organisiert wurde die Aktion vom Verkehrswendebündnis Lüneburg, zu dem unter anderem der Radentscheid Lüneburg, Fridays for Future, Parents for Future, der ADFC und der VCD gehören. Die Teilnehmer:innen forderten breitere, baulich getrennte Radwege mit ausreichendem Abstand zu parkenden und fahrenden Autos, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Niels Hapke vom Radentscheid kritisierte die Stadtpolitik für mangelnde Fortschritte in der Radinfrastruktur und betonte die Notwendigkeit einer gerechteren Flächenverteilung im Straßenverkehr. 

Die Kidical Mass ist Teil eines bundesweiten Aktionswochenendes, das sich für sichere und klimafreundliche Mobilität einsetzt. In Lüneburg wurde deutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich eine fahrradfreundlichere Stadt wünschen, in der Kinder sicher und selbstständig unterwegs sein können.

Inhalts-Ende

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