Radfahren ist kein Hobby – von Regeln und Möglichkeiten

Wenn sich alle an die Regeln halten, passiert schon nichts, dann ist doch alles gut so wie es ist – solche und ähnliche Sätze hören und lesen wir in letzter Zeit sehr häufig, als Reaktionen auf unsere Social-Media-Beiträge und besonders auch von Politiker:innen aus Lüneburger CDU, SPD und FDP, wenn es darum geht, wie die Sicherheit für Radfahrende verbessert werden könnte. Schnell ist dann von Rowdys die Rede, die erstmal auf der richtigen Seite, mit Helm, Licht, Weste, langsamer fahren sollen, bevor sie Forderungen stellen dürften. Warum sorge denn der Radentscheid nicht für die Einhaltung dieser Regeln, bevor er hier dreist einen Fahrradstraßenring, breite Radwege, sichere Kreuzungen und Schulstraßen fordere?

 Warum halten wir uns nicht einfach an die Regeln, so wie es alle vernünftigen und sozialen Menschen tun?

Ganz einfach – weil ich als Radfahrerin mehrmals die Straßenseite wechseln muss, um auf einem Radweg zu fahren, der mal links und mal rechts verläuft und manchmal auch auf beiden Seiten, aber ist das überhaupt noch ein benutzungspflichtiger Radweg? Im Herbst liegt er permanent voll Laub, im Winter ist er oft nicht gestreut oder zugeschneit und meistens ist er voller Löcher, Schilder, Gullis und Wurzeln und viel zu schmal und ich muss ihn mir mit E-Bikes, Lastenrädern, Rollern, Rädern mit Anhängern teilen, die alle unterschiedlich breit und schnell sind. Oft auch noch mit Fußgänger:innen. Manchmal endet der Radweg plötzlich und ich muss auf der Straße weiterfahren. Manchmal weiß ich gar nicht, ob ich ihn jetzt benutzen darf, muss oder kann und wie ist das, wenn meine 7-jährige Tochter dabei ist? Und der Zehnjährige? Und meine alte Mutter? Wer fährt dann wo? Bei mir führen diese Umstände dazu, dass ich da fahre, wo meine Liebsten und ich uns am sichersten fühlen oder – meist, wenn ich alleine und vielleicht in Eile bin – da wo ich am schnellsten und unkompliziertesten an mein Ziel komme. Ich wage zu behaupten, dass es so den allermeisten Menschen geht, die auf dem Rad unterwegs sind. Denn: 

Radfahren ist nicht mein Hobby! Mein Fahrrad ist kein Sportgerät, kein Luxusartikel, keine Option – es ist ein Verkehrsmittel, mein Verkehrsmittel! Ich brauche es, um mobil zu sein und finde außerdem, dass es – besonders in einer Stadt wie Lüneburg – das logischste, schnellste und klimafreundlichste Verkehrsmittel ist. Ich glaube an eine Verkehrswende und möchte weniger CO2 verursachen.

Ich soll mich an die Regeln halten? Dann will ich aber auch, dass meine Interessen gehört und ernst genommen werden. Dann will ich den Sinn hinter einer Regel verstehen und eine Gleichberechtigung der Verkehrsmittel. Ich will, dass öffentlicher Raum gerecht aufgeteilt wird – das muss zwangsläufig bedeuten, Straßen und Parkplätze so umzugestalten, dass Zufußgehende, Radfahrende und ÖPNV dort Raum abbekommen, den jetzt nur Autos in Anspruch nehmen. Ich wundere mich über Aussagen wie, man könne ja nicht nur immer die Radfahrer:innen begünstigen – das klingt als würden diese sogar bevorzugt. Dabei sind sie nicht einmal gleichberechtigt. Das ist so offensichtlich, dafür braucht es noch nicht mal Studien.

Aber nochmal zurück zu den vernünftigen und sozialen Menschen, die sich an Regeln halten. Wo sind die? Sind das die Autofahrer:innen, die Radfahrende auch überholen, wenn der Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann, die auf Rad- und Gehwegen parken, sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen nur halten, wenn ein Blitzer in der Nähe ist und mal eben doch die Abkürzung durch die eigentlich für Autoverkehr gesperrte Neue Sülze nehmen?

Geschenkt – wir sind alle nur Menschen, die fehlbar sind, viele von uns nutzen verschiedene Verkehrsmittel und nicht nur entweder Auto oder Fahrrad oder Bus und Bahn. Wir haben schlechte Laune, Zeitdruck oder gerade erst den Führerschein gemacht. Manchmal sind wir einfach nur unkonzentriert oder vielleicht sehr jung oder sehr alt. Sollten wir deshalb überfahren werden? Oder jemand anderen überfahren. Haben wir deshalb kein Recht, sicher durch den Verkehr zu kommen? Die Umstände müssen so sein, dass das geht, dass es nicht nötig und manchmal noch nicht einmal möglich ist, sich nicht an Regeln zu halten, dass ich gerne Regeln befolge, weil es sogar Spaß macht oder zumindest sinnvoll ist. Dass ich eigentlich gar keine Regeln brauche, weil es logisch, einfach und gut ist wie es ist – z.B. mit dem Lastenrad auf diesem bisher hier noch nicht existenten baulich getrennten superbreiten und superglatten Radweg zu fahren. Und mit dem Auto daneben, einspurig auf dem Einbahnstraßenring, ohne Stau und entspannt ins leere Parkhaus, von da aus zu Fuß weiter in die grüne, autofreie Innenstadt oder vielleicht mit dem Shuttletaxi direkt bis zu meinem Ziel, wenn ich gehbehindert oder krank bin? Es gäbe viele Optionen, die alle berücksichtigen und die vernünftig und sozial sind.

Es ist großartig, dass es inzwischen überall so viel mehr Menschen gibt, die Rad fahren möchten, nicht als Hobby, sondern die das Rad ganz selbstverständlich als gesundes, klimafreundliches und praktisches Verkehrsmittel nutzen. Die Politik muss das ernst nehmen und entsprechende Möglichkeiten schaffen – keine Regeln!

Verkehrswende-Mythen im Faktencheck – Teil 2: Radverkehrsförderung ist zu teuer

Es kursieren viele Mythen über die Verkehrswende, die wir in unserer neuen Reihe einem Faktencheck unterziehen wollen.

Mythos 2: Radverkehrsförderung ist zu teuer

Häufig wird argumentiert, der Bau von Radwegen sei angesichts leerer kommunaler Kassen einfach zu teuer. So begründen auch SPD, CDU und FDP in Lüneburg ihre Distanzierung von vom Rat 2022 beschlossenen Zielen des Radentscheids immer wieder mit der verschlechterten städtischen Finanzlage im Vergleich zu damals. (1). Ein genauer Blick auf die Zahlen offenbart jedoch: ein Ausbau des Radverkehrs würde kommunale Kassen sogar erheblich entlasten.

Woher der Mythos kommt

Seit den 1950ern war die Infrastrukturpolitik stark auf das Auto fokussiert und das meiste Geld ist in Autoinfrastruktur geflossen. Rad- und Fußverkehr wurden als „Nebenverkehr“ betrachtet und die Budgets für Radwege umfassten oft nur 1–3 % der Verkehrsinfrastrukturausgaben. Wenn ein Bereich chronisch unterfinanziert ist, wirken selbst moderate Investitionen plötzlich „unverhältnismäßig“ – obwohl sie im Vergleich zum Straßenbau oder zu ÖPNV-Projekten weiterhin extrem gering sind.

Was die Zahlen sagen

Der Bau und die Instandhaltung von Radwegen sind deutlich kostengünstiger als die von Autostraßen. Zudem können auf Radwegen auch mehr Personen pro Fläche unterwegs sein. Und da der Ausbau von Radwegen den Autoverkehr insbesondere auf Kurzstrecken deutlich reduzieren kann und Radwege im Vergleich zu Autostraßen zudem weniger Platz benötigen, führen Radwegbau und eine Verkehrswende hin zu etwas weniger Auto- und etwas mehr Radverkehr gerade in städtischen Gebieten langfristig zu erheblichen Kosteneinsparungen bei der Verkehrsinfrastruktur. Ein höherer Radverkehrsanteil reduziert die Kosten für Straßenbau- und Unterhalt, wenn Straßen weniger stark frequentiert werden.(2)

Noch günstiger für das Fahrrad fällt der Auto-Fahrrad-Vergleich bei einer umfassenderen volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse aus, bei der Faktorkosten wie Klimawandel, Luftverschmutzung, Lärm, Ressourcennutzung und Lebensqualität miteinbezogen werden. Studien beziffern bei einem solchen Vergleich den gesellschaftlichen Nutzen des Fahrrads auf 30 Cent pro gefahrenen Kilometer, während Autofahrer:innen 20 Cent Kosten pro Kilometer erzeugen, die derzeit nicht durch verursacherbezogene Steuern und Abgaben gedeckt sind. Bei etwa 20.000 Personenkilometer pro Jahr und Auto erzeugt demnach jedes einzelne Auto so 4.000 Euro Kosten für die Gesellschaft (5).

Die externen Kosten des motorisierten Straßenverkehrs, d.h. alle negativen Auswirkungen, für die nicht die Verkehrsteilnehmer :innen selbst bezahlen, belaufen sich in Deutschland pro Jahr auf rund 140 Milliarden Euro – Kosten, die durch eine Verlagerung von Verkehr hin zu mehr Radverkehr verringert würden (3).

1 Autoparkplatz = 10 Fahrradparkplätze

Auch der ruhende Autoverkehr belastet die Kommunen mit erheblichen Kosten, die bei einer Verkehrswende hin zu mehr Rad- und weniger Autoverkehr verringert würden. Verwunderlich war daher die Begründung, mit der Lüneburger Ratsmitglieder von SPD, CDU und FDP kürzlich den Abbau von Parkplätzen entlang der Ilmenaustraße ablehnten: er sei unwirtschaftlich, da damit wichtige Einnahmen aus Parkgebühren wegfielen (4). Dieses Argument trägt bereits deshalb nicht, da in Lüneburg ausreichend ungenutzter Parkraum in Parkhäusern vorhanden ist, so dass Parkeinnahmen nicht wegfallen, sondern nur auf andere Parkflächen verlagert würden. Zudem dürften die Einnahmen aus den Parkplätzen an der Ilmenaustraße, nach Angaben der Verwaltung aktuell jährlich ca. 1.190 € pro Stellplatz (6), gerade einmal deren Kosten decken. Sie betragen bei solchen Straßenrandparkständen laut Vergleichsberechnungen unter Berücksichtigung von Herstellungs- und Unterhaltskosten, Bodenwert und Opportunitätskosten im Median 1.368 € jährlich pro Stellplatz (7). Der Rückbau unbewirtschafteter Parkplätze führt daher nicht allein zu weniger Parksuchverkehr, besserer Aufenthaltsqualität und mehr Platz für alle, sondern auch zu einer wirtschaftlichen Entlastung der Kommune.

TOP Kosten-Nutzen-Verhältnis

Und eine Verkehrswende hätte weitere gesamtwirtschaftlich positive Effekte: Getrennte Radwege reduzieren Unfallzahlen deutlich und eine Stärkung des Radverkehrs wirkt Bewegungsmangel entgegen, dies führt zur Senkung von Krankheits- und Gesundheitskosten. Eine gute Radinfrastruktur und eine Steigerung der Aufenthaltsqualität in Innenstädten steigert Umsätze im Einzelhandel (8). Ein höherer Radverkehrsanteil am Gesamtverkehrsaufkommen bewirkt CO₂-, Lärm- und Feinstaubreduktion und kann damit andere, kostenintensiverer Maßnahmen wie den Bau von Lärmschutzwänden erübrigen. Immobilien erfahren eine Wertsteigerung durch Verkehrsberuhigung.

Kommunen profitieren von Fördergeldern

Unzureichend berücksichtigt werden bei der Debatte über die Kosten von Radinfrastruktur auch die zahlreichen Förderprogramme von Bund und Land, die meist 75–80 % und teilweise sogar 90 % der Gesamtkosten durch Zuschüsse decken. Allein der Bund stellt in 2025 Förder- und Finanzhilfeprogramme im Umfang von über 400 Mio. Euro zur Verfügung.(9) Sie machen es für die Kommunen günstiger, Verkehrsinfrastrukturvorhaben mit Radinfrastrukturverbesserungen zu planen, als ohne solche.

Fazit

Der Mythos, Radverkehrsförderung sei kostspielige Klientelpolitik zu lasten kommunaler Kassen, hält einem Blick auf die Zahlen nicht stand. Im Gegenteil: Radverkehrsförderung ist ein Allgemeinwohlprojekt und ein höherer Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen würde kommunale Kassen erheblich entlasten. Wer wirklich Kosten sparen möchte, sollte also dringend mehr in den Radverkehr investieren. Mutiges Umsteuern ist billiger als weiteres Zögern.(3)

 

Quellen:

(1)    Z. B. Ratssitzungen am 19.12.2024 https://www.youtube.com/watch?v=z1JClPDcAbA und 13.11.2025 https://www.youtube.com/watch?v=HoLVnHtvJ84

(2)    Doll, C.; Brauer, C.; Duffner-Korbee, D., Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI (2024): Potenziale des Radverkehrs für den Klimaschutz und für lebenswerte Städte und Regionen. Neue Prognoseverfahren für Angebot und Nachfrage im Fahrradland Deutschland bis 2035, file:///C:/Users/Hauptkonto/Downloads/2024-05_adfc_radverkehr_potenzial_abschaetzung_studie_langfassung-1.pdf

(3)    Cuno Bieler, Daniel Sutter, INFRAS: Externe Kosten des Verkehrs in Deutschland, Straßen-, Schienen-, Luft- und Binnenschiffverkehr 2017, Schlussbericht 2019,  https://www.infras.ch/media/filer_public/b0/c9/b0c9923c-199c-4642-a235-9e2440f0046a/190822_externe_kosten_verkehr_2017.pdf

(4)    Ratssitzung am 13.11.2024  https://www.youtube.com/watch?v=HoLVnHtvJ84

(5)    Stefan Gössling: Kostenvergleich Auto-Fahrrad, Deutschland: Berechnungsannahmen, https://orlis.difu.de/handle/difu/249766 ; Präsentation Vivavelo-Kongress Berlin April 2018 https://vivavelo.org/wp-content/uploads/2022/09/Goessling_CBA-Auto-Fahrrad_270418.pdf ; Stefan Gössling, Andy Choi, Kaely Dekker, Daniel Metzler: The Social Cost of Automobility, Cycling and Walking in the European Union, Ecological Economics Vol. 158 April 2019, https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2018.12.016 , https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0921800918308097?via%3Dihub ; Umweltbundesamt: Radverkehr – Vorteile des Radfahrens, https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr?utm_source=chatgpt.com#vorteile-des-fahrradfahrens

(6)    Beschlussvorlage – VO/9298/20-5-2, https://buergerinfo.stadt.lueneburg.de/public/vo020?VOLFDNR=1000326&refresh=false&TOLFDNR=1002196

(7)    Bergk, Dünnebeil, Schreiner, Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu): Kosten von Parkraum, Ad-hoc-Beratung für das Verkehrsministerium Baden-Württemberg, 2022, S. 26, https://www.klimaschutz-bewegt.de/wp-content/uploads/01_Kosten_Parkraum_ifeu.pdf

(8)    Siehe „Verkehrswende-Mythen im Faktencheck – Teil 1: Weniger Autoverkehr schadet dem Einzelhandel“ im vorherigen Radentscheid -Newsletter aus September 2025 mit weiteren Belegen, https://radentscheid-lueneburg.de/verkehrswende-mythen-im-faktencheck-teil-1-weniger-autoverkehr-schadet-dem-einzelhandel/

(9)    Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur:  Förderung und Finanzierung des Radverkehrs (Förder- und Finanzhilfeprogramme des Bundes 2025, gesamt 405.310.000 €), https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Radverkehr/finanzielle-foerderung-des-radverkehrs.html[H1] 

Grafik “Schäden durch Verkehr”: Cuno Bieler, Daniel Sutter, INFRAS: Externe Kosten des Verkehrs in Deutschland, Straßen-, Schienen-, Luft- und Binnenschiffverkehr 2017, Schlussbericht 2019,  https://www.infras.ch/media/filer_public/b0/c9/b0c9923c-199c-4642-a235-9e2440f0046a/190822_externe_kosten_verkehr_2017.pdf

Fahrradstraßenring auf der Kippe – der Streit um die Ilmenaustraße und die Folgen

CDU, FDP und SPD blockieren - der Streit um die Ilmenaustraße und die Folgen

Wer die letzten Mobilitätsauschüsse und die Ratssitzung verfolgt hat, war Zeuge eines beispiellosen Wendemanövers der etablierten Parteien. Obwohl seit vielen Jahren die Gestaltung eines Fahrradstraßenrings rund um die Innenstadt politisch beschlossene Sache ist und Fördergelder dafür längst eingeworben sind, werden die Radfahrenden im November 2025 erneut massiv ausgebremst – zugunsten von Parkplätzen. 

Folgende politischen Beschlüsse aus den letzten Jahren betonen die Notwendigkeit der Radverkehrsförderung und die Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs (MIV), um mehr Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit für Lüneburg zu erreichen:

  • Konzept „Radverkehrspolitik 2030+“ wurde 2019 einstimmig im Verkehrsausschuss befürwortet
  • „Beitritt“ zu Klimaentscheid und Radentscheid per Ratsbeschluss 2021 und 2022
  • „Klimaschutzplan 2030“ (Ratsbeschlüsse dazu 2021 und 2024), der u.a. die Förderung des Umstiegs vom Auto aufs Fahrrad, die Bevorrechtigung des Radverkehrs und die Einrichtung von Fahrradstraßen verlangt
  • Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) am 20.3.2025 im Rat beschlossen. Hier werden als Ziele z.B. genannt, dass der MIV in der Innenstadt geringere Bedeutung haben, in der Innenstadt überwiegend in Parkhäusern geparkt und ein durchgängiges und lückenloses Wegenetz für den Radverkehr entstehen solle.

Für all diese Konzepte ist der Fahrradstraßenring eine zentrale Infrastrukturmaßnahme und 2020 verkündete Ex-OB Ulrich Mägde vor laufenden Kameras den Willen zur Umsetzung „noch in diesem Jahr“. Trotz der schon lange bekannten Planungen über den Verlauf muss die Umgestaltung jedes einzelnen Abschnitts mühsam in den Gremien errungen werden und es gab schon bei der Wall- und der Haagestraße zähe Verhandlungen über jeden einzelnen Parkplatz, der wegfallen sollte. Denn: In einer „unechten“ Fahrradstraße sind Autos zwar erlaubt, wenn auch die Fahrräder Vorrang haben und z.B. nebeneinander fahren dürfen. Für Parkplätze in Fahrradstraßen wird jedoch empfohlen, nur Längsparkplätze (vornehmlich für Anwohnende) zuzulassen, da das Ein- und Ausparken mit Beeinträchtigungen und Gefahren für die Radfahrenden verbunden ist. CDU und FDP behaupten gern, besonders in Wahlkampfzeiten, dass jeder fehlende Parkplatz einen Sargnagel für den Einzelhandel darstellt – obwohl es mehr als ausreichend Parkraum in den Parkhäusern der Innenstadt gibt.

Demokratische Entscheidungen sind kein Spielball!

Für die Gestaltung der Ilmenaustraße gab es nun im September 2025 verschiedene Entwürfe: ohne Parkplätze, mit ausschließlich Längsplätzen und mit einer Mischung aus Quer- und Längsparkplätzen. Wir als Radentscheid forderten für die Ilmenaustraße öffentlich die Variante ganz ohne Parkplätze, da nur auf diese Weise neben der Fahrradfreundlichkeit auch die Aufenthaltsqualität für Fußgänger:innen am Fluss steigen würde. Bitter, dass für den Umbau der Ilmenaustraße dann von der Verwaltung doch nicht die fahrradfreundliche Umbauvariante ohne oder mit Längsparkplätzen (u.a. mit dem Hinweis auf die jährlichen Einnahmen aus den Parkautomaten), sondern „Mischparken“ mit dem Wegfall von nur wenigen Parkplätzen empfohlen wurde. Der, vermutlich als für alle zustimmungsfähige Kompromiss erachtete Vorschlag der Verwaltung, wurde aber letztlich im November von der bornierten Front aus CDU, FDP und nun auch SPD vom Tisch gewischt. Diese Ratsmehrheit, die offenbar der Oberbürgermeisterin nicht den kleinsten Erfolg gönnt, verlangt, dass gar keine Parkplätze wegfallen, der Autoverkehr also gar nicht eingeschränkt – und dadurch die Fahrradstraße eigentlich nicht mehr fahrradfreundlich wird. Man kann eigentlich nur hoffen, dass bei dieser Variante auch keine Fördergelder abgerufen werden können und sollte auch dafür sorgen, dass das Label “Fahrradfreundliche Kommune” möglichst schnell wieder aberkannt wird! 

Diese Beugung der demokratischen Beschlüsse und Missachtung des Willens von tausenden Lüneburger:innen werden wir nicht akzeptieren!

Mehr zur Debatte s. auch hier:

ADFC Lüneburg:

https://lueneburg.adfc.de/neuigkeit/die-unmoegliche-aufgabe

Lüneblog:

Mehr Sicherheit für Schulkinder: keine Elterntaxis vor Grundschulen

In anderen Städten wie Köln, Berlin und Frankfurt am Main gibt es sie bereits: Schulstraßen. Das sind Straßen, in denen eine Grundschule liegt und die stets eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn und nach Unterrichtsende für den motorisierten Verkehr gesperrt werden.

Dies erhöht nachweislich die Sicherheit für Kinder auf dem Schulweg, denn jüngere Schüler:innen sind noch unerfahren im Straßenverkehr und schätzen manche Situationen falsch ein. Dadurch, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis direkt vor die Schule fahren, entstehen aber gerade Gefahrensituationen, die schwer zu überblicken sind.

 

In Lüneburg ist nach den Herbstferien ein Pilotprojekt gestartet: Die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße, in der die Grundschule im Roten Felde liegt, wurde als Schulstraße eingerichtet und ist nun montags bis freitags zwischen 7:30 bis 8 Uhr, 12:45 bis 13:15 Uhr und 15:15 bis 15:45 Uhr für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Damit Eltern ihre Kinder trotzdem mit dem Auto zur Schule bringen können, wenn sie es für notwendig erachten, gibt es in der Nähe der Schule eine sogenannte Elternhaltestelle.

O-Ton einer Elterntaxifahrerin: ”So toll, sicher und total entspannt.”

Wir finden: ein guter Schritt und hoffen, dass die Schulstraße Bestand hat und weitere bald folgen.

 

Fotos (c) Radentscheid, Titelfoto KI-generiert

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Hast Zeit 2x pro Woche etwas für den Radentscheid zu posten und dafür in Lüneburg zu filmen und zu fotografieren? (wir versorgen dich natürlich mit den nötigen Backgroundinfos).

Und du willst dich außerdem für eine gute Sache engagieren – nämlich Klimaschutz, Verkehrswende und eine bessere Radinfrastruktur sowie mehr Sicherheit für Radfahrende in Lüneburg? Dann melde dich bei uns und hilf uns, noch sichtbarer zu werden.

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Verkehrswende-Mythen im Faktencheck – Teil 1: Weniger Autoverkehr schadet dem Einzelhandel

Es kursieren viele Mythen über die Verkehrswende, die wir in unserer neuen Reihe einem Faktencheck unterziehen wollen.

Mythos 1: Weniger Autoverkehr schadet dem Einzelhandel

Kaum ein Argument taucht in der Debatte um die Verkehrswende so häufig auf wie dieses: Wenn Parkplätze wegfallen und Straßen für Autos gesperrt oder beruhigt werden, würde der Einzelhandel leiden. Doch die Forschung und viele Praxisbeispiele zeigen ein anderes Bild.

 

Woher der Mythos kommt

Autos gelten seit Jahrzehnten als Garant für Kundschaft. Händler:innen vermuten oft, dass ein Großteil ihrer Umsätze von Autofahrenden abhängt. Diese Wahrnehmung verstärkt sich, wenn Läden wegen Umsatzeinbußen schließen müssen. In Lüneburg machten kurioserweise gerade Eigentümer:innen von Geschäften, die über Parkplätze fast unmittelbar vor der Ladentür verfügten, wie das Bekleidungsgeschäft Sellnau in der Bardowicker Straße, die Verkehrswende für ihr Ladensterben verantwortlich.

Was Studien sagen

Händler:innen überschätzen den Anteil der Kundschaft, die mit dem Auto kommt (1)(2). In vielen europäischen Städten liegt der Anteil der Autokundschaft im innerstädtischen Handel bei nur 10 bis 30 Prozent. Der Großteil des Umsatzes der innerstädtischen Geschäfte wird mit Kund:innen erzielt, die gar nicht mit dem Auto anreisen (3). Fußgänger:innen, Radfahrende und ÖPNV-Nutzende geben in Summe mehr Geld aus, weil sie häufiger einkaufen. So zeigen Kundenbefragungen, dass radfahrende Kund:innen zwar je Einkauf weniger Geld ausgeben als diejenigen, die mit dem Auto anreisen, dieses jedoch durch eine höhere Einkaufsfrequenz wieder wettmachen. Aufs Jahr gerechnet bewirken sie dadurch weit höhere Umsätze als Kund:innen mit Auto. So kam eine breite Studie am Beispiel von 8 deutschen Städten zu dem Ergebnis, dass die zu Fuß gehenden Kund:innen beim Umsatz mit durchschnittlich 762 € pro Jahr deutlich vorn liegen, an zweiter Stelle finden sich ÖV‐Anreisende mit 598 € Umsatz pro Jahr, gefolgt von den Radfahrenden mit 569 € Umsatz pro Jahr. Kfz‐Anreisende stehen mit 477 € Umsatz pro Jahr an letzter Stelle (3).

 

Deutlich ist auch: Verkehrsberuhigung ist grundsätzlich gut für den Einzelhandel. Eine bessere Aufenthaltsqualität und höhere Kund:innenfrequenzen führen meist zu einer Stabilisierung bzw. Steigerung der Umsätze und nach Verkehrsberuhigung, der Einrichtung von Fußgängerzonen oder einer Verbesserung der Radinfrastruktur steigen die Umsätze in den meisten Fällen – oft deutlich (2)(4)(5). Auch die Annahme, dass der Einzelhandel von Straßenparkplätzen im direkten Umfeld eines Geschäfts profitiere, ist irrig. Im Gegenteil zeigen Studien, dass eine hohe Anzahl von Straßenparkplätzen im Umkreis von 100 Metern den Mietwert einer Gewerbeimmobilie senkt, während Parkmöglichkeiten im erweiterten Umkreis von 100 bis 500 Metern den Mietpreis positiv beeinflussen. Geschäftsflächen gewinnen demnach an Wert, wenn die unmittelbare Umgebung nicht von parkenden Autos geprägt wird, gleichzeitig aber genügend Parkplätze in fußläufiger Entfernung verfügbar sind (2) – so wie es auch in Lüneburg durch viele Parkhäuser in der Innenstadt gegeben ist. Denn eine angenehme Aufenthaltsqualität lockt mehr Menschen in Geschäfte, die eher konsumieren. Breitere Gehwege, Außengastronomie oder Bäume tragen dazu bei. Mit geeigneten Maßnahmen und Investitionen in den Radverkehr können Städte und Gemeinden ihre Attraktivität und Aufenthaltsqualität deutlich verbessern (4).

Der Einzelhandel profitiert auch bei der Personalgewinnung: Lebensqualität und ein hochwertiges Angebot im Umweltverbund sind für die überwiegende Zahl der Unternehmen wichtige Standortfaktoren, da sie besonders von jungen, gut ausgebildeten Fachkräften besonders geschätzt werden und Arbeitgeber:innen einen Vorsprung im überregionalen Arbeitsmarkt verschaffen (4).

Der eigentliche Wettbewerbsvorteil

Dass der Umsatz im stationären Einzelhandel seit Jahren zurückgeht, hat vielfältige und ganz andere Ursachen als die Verkehrswende, nämlich vielmehr die zunehmende Konkurrenz mit dem Onlinehandel, hohe Ladenmieten und die Inflation. Was die Innenstädte stark macht, ist nicht die Zahl der Parkplätze, sondern die Aufenthaltsqualität: kurze Wege, Sicherheit, Begrünung, kulturelle Angebote (2)(6). Genau das fördert die Verkehrswende.

Für Lüneburg zeigte kürzlich eine Studie des Instituts für Handelsforschung in Köln (IFH), dass die Aufenthaltsqualität im Vergleich zu anderen Städten gleicher Größe überdurchschnittlich ist und einzig bei der Stadtbegrünung hinter den Durchschnitt zurückfällt. Um Innenstadtbesuche attraktiver zu gestalten, spielen Parkmöglichkeiten als Erfolgsfaktor laut der Studie überhaupt keine Rolle, stattdessen werden von Besucher:innen eine weitere Verbesserung des öffentlichen Toilettenangebots, die weitere Umgestaltung zu einer grünen Innenstadt und Maßnahmen gegen Leerstand gewünscht (5).

Fazit

Der Mythos, weniger Autoverkehr schade dem Einzelhandel, hält einer Faktenprüfung nicht stand. Im Gegenteil: Verkehrsberuhigung, mehr Platz für Rad- und Fußverkehr und eine höhere Aufenthaltsqualität stärken die Attraktivität der Innenstädte und damit auch die Umsätze. Wer Handel fördern will, sollte also nicht am Auto festhalten, sondern die Stadt lebenswerter machen.

 

Quellen:

  1.       von Schneidemesser, Dirk, and Jody Betzien. 2021. “Local Business Perception vs. Mobility Behavior of Shoppers: A Survey from Berlin.” Findings, June. https:/​/​doi.org/​10.32866/​001c.24497; Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (Research Institute for Sustainability, RIFS) des Helmholtz-Zentrums für Geoforschung, Potsdam, „Mobilität beim Einkaufen: Händler überschätzen Rolle des Autos“ https://www.iass-potsdam.de/de/news/mobilitaet-beim-einkaufen-haendler-ueberschaetzen-rolle-des-autos

 

  1.       Bauer, Christ, Sönksen, Pfitzinger. 2025. „Dann wird’s laut“ – Deutsches Institut für Urbanistik Policy Papers 5, difu 03/2025 https://www.die-stadtretter.de/wp-content/uploads/2025/04/Difu_Policy_Papers_2025-5_Verkehrsberuhigung_Einzelhandel.pdf

 

  1.       Große, Böhmer (Fachbereich Verkehrs‐ und Transportwesen, Fachhochschule Erfurt). 2019. „Radverkehr in Fußgängerzonen“ Endbericht für das Forschungsprojekt „Mit dem Rad zum Einkauf in die Innenstadt – Konflikte und Potenziale bei der Öffnung von Fußgängerzonen für den Radverkehr“ https://www.mobilitaetsforum.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Projekte/17753_Mit-dem-Rad-einkaufen_Endbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=2
  2.       Bundesministerium für Digitales und Verkehr. 2022. Nationaler Radverkehrsplan 3.0. https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/StV/nationaler-radverkehrsplan-3-0.pdf?__blob=publicationFile
  3.       Arancibia, Farber, Savan, Verlinden, Smith Lea, Allen, Vernich. 2019. „Measuring the Local Economic Impacts of Replacing On-Street Parking With Bike Lanes  – A Toronto (Canada) Case Study“  https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/01944363.2019.1638816?scroll=top&needAccess=true)
  4.       Preißner (IFH). 2025. „Studie Vitale Innenstädte 2024 – Faktenwissen und Handlungsleitfaden zur Vitalisierung von Innenstädten“ https://www.ifhkoeln.de/produkt/vitale-innenstaedte-2024-2/

 

 

 






Armes Lüneburg

Something is rotten in the Stadt of Lüneburg! (Es folgen keine weiteren halbgaren Wortspiele –  versprochen).  Kurzer Blick auf andere Städte in der Region: in Bremen beträgt der Fahrrad-Modal-Split  25%(= prozentualer Anteil an den Verkehrswegen), die Stadt hat Rad-Premiumrouten und baut weitere; Kiel verfügt ebenfalls über Velorouten und baut an einem von Bund und Land massiv geförderten Straßenbahnnetz; Lübeck beginnt mit der Planung desselben; Hamburg hat den Jungfernstieg für den PKW-Verkehr gesperrt. Die stärksten Fraktionen in den genannten Städten sind jeweils SPD und Grüne (Kiel).

 

Schaut man sich im Vergleich dazu die Verkehrspolitik einer CDU-regierten Stadt an, lohnt sich ein Blick nach Berlin. Denn dort kann man sehr gut beobachten, was passiert, wenn eine rechte Partei eine Mitte-Links-Koalition ablöst. Projekte für mehr Verkehrssicherheit werden eingestampft, protected bike lanes werden zurückgebaut, Tempo-30- in Tempo-50-Zonen umgewandelt. Einen vorläufigen Höhepunkt findet die aggressive und die Stadtgesellschaft spaltende Pro-Auto-Politik in der Eröffnung eines neuen Abschnitts der A100. Trotz aller Warnungen drückte die Berliner CDU deren Freigabe durch. Ein Feature des SPIEGEL offenbart die desaströsen Folgen für den angrenzenden Kiez: “Stress für Anwohner und Verkehrsteilnehmer ist rund um die Berliner Elsenstraße Alltag… Jetzt ist ein großer Stressfaktor dazugekommen: vom Autobahnende fließt der Verkehr in den ohnehin verstopften Kiez… Die Anwohner fühlen sich überrollt…. Auf dem Kita-Weg ist es normal, dass man zwischen Autos läuft.” Eine „echt dreiste“ Forderung stellt der Sprecher einer Gegendemo: “Wir möchten bei Grün über die Straße gehen können.” Fazit: “Stau, Lärm, unglaublich aggressive Autofahrer – und die Polizei hat scheinbar komplett kapituliert.” (Letzteres muss man übrigens auch in Lüneburg konstatieren: Polizei und Verwaltung räumten jüngst ein, dass sie gegen die massenhaften Geschwindigkeitsverstöße im Ochtmisser Kirchsteig nichts ausrichten können. Die Straße wird genau wie im Beispiel Berlin auf Basis einer ideologischen, ignoranten und unfähigen Verkehrspolitik zum rechtsfreien Raum. Gut zu beobachten z.B. auch am Ochsensmarkt oder in der Salzstraße)

Jetzt kann man natürlich einwenden, dass die Grünen in Lüneburg ja nun auch die stärkste Fraktion stellen. Stimmt – aber wir haben hier eine besondere Situation. Zur CDU als Widersacherin ist eigentlich fast alles gesagt, vielleicht dies noch – zum Thema Verkehrssicherheit verbreiten die regionalen Granden folgenden „genialen“ Gedanken: Es brauche gar keine sicheren Fahrradwege – wenn sich alle einfach nur an die Verkehrsregeln hielten, dann funktioniere das mit der Sicherheit und dem Miteinander im Straßenverkehr doch automatisch.

Nach dieser Logik müsste die CDU im kommenden Winter den Verzicht auf Betonbarrieren rund um den Weihnachtsmarkt fordern – denn wenn alle sich an die Regeln halten und niemand einen Anschlag plant, sind die Fahrzeugblocker doch eigentlich überflüssig. Wie auch immer: die regelmäßig in Richtung der Radfahrenden fingerzeigende Lehrmeisterei zeigt angesichts der beschriebenen Zustände nochmal besonders krass, wie weltfremd und einseitig interessengeleitet die Autopartei agiert. Geschenkt.

 

Denn das eigentliche Problem in Lüneburg ist die SPD. Wo sie in anderen Städten zumindest teilweise fortschrittliche Ansätze einer nachhaltigen Verkehrspolitik mitträgt, verfolgt sie nach einer durch Wahlniederlage erzeugten narzisstischen Kränkung vorrangig nur ein Ziel – die grüne Oberbürgermeisterin und ihre Verwaltung zu diskreditieren, wo und wann immer es geht. Für diesen Zweck ist die Partei sich auch nicht zu schade, die Umsetzung eigener einstmals gefasster Beschlüsse zur Verkehrswende nunmehr zu torpedieren – und im Einklang mit der CDU, die dafür erforderlichen Mehrheiten zu generieren – zum Beispiel, um den einst vielversprechenden NUMP mehr oder weniger ins Jenseits zu befördern. Das Ergebnis dieser desaströsen Dynamik sind gefühlter Stillstand und Lethargie in einer Stadt, die in puncto Verkehrsentwicklung und Lebensqualität nach und nach abgehängt wird.

Die geballte verkehrspolitische Inkompetenz und Bräsigkeit einer Mehrheit im Stadtrat lässt einen schon erschaudern. Umweltfreundliche Mobilität, autofreie Innenstadt, Stauvermeidung, Lärm- und Abgasreduktion, Entsiegelung, Schwammstadt, sichere Verkehrswege: „Nett, aber bitte nicht bei uns.“ Stattdessen: A39,

Verbrennermotor, gefährliche Kreuzungen, Parkplätze Parkplätze Parkplätze, zusätzliche Autospuren. Willkommen in der Vergangenheit.

 

Was tun? Glücklicherweise wird die Stadt durch viele fortschrittliche Initiativen und Gruppen belebt, die falschen Entscheidungen und ablenkenden Scheinargumenten hörbar etwas entgegensetzen. Ihren Einsatz leisten sie für ein lebenswertes Lüneburg. Leider ist dieses Korrektiv von unten bitter nötig. Denn eine große Anzahl einflussreicher Akteur:innen verfolgt politische Ziele nicht für, sondern gegen die Menschen in der Stadt. 

Keine Parkplätze in der Ilmenaustraße – Naherholung und mehr Sicherheit für den Radverkehr

Die Ilmenaustraße in Lüneburg ist Teil des geplanten Fahrradstraßenrings rund um die Innenstadt. Wir freuen uns sehr, dass dieser Teil des Rings nun bald in die Tat umgesetzt wird! Damit diese Verbindung aber wirklich sicher und attraktiv wird, fordern wir bei den Umbaumaßnahmen weitsichtiges Vorgehen: Weder quer noch längs brauchen wir Parkplätze direkt an der Ilmenau! In unmittelbarer Nähe sind genügend Parkflächen für Autos vorhanden. 

Das Ein- und Ausparken sowie der ständige Suchverkehr sind ein erhebliches Risiko für Radfahrende und passen nicht zum Konzept einer Fahrradstraße. Besonders problematisch ist dabei die von der Verwaltung ins Spiel gebrachte Variante Querparken: Beim Rückwärtsausparken müssen Autofahrende die Fahrradstraße queren, haben jedoch nur eine eingeschränkte Sicht – Radfahrende werden dadurch massiv gefährdet.

 Keine Parkplätze in der Ilmenaustraße bedeutet keinesfalls Parkplatznot. Die nahegelegenen Parkhäuser sind derzeit nur zu 40 bis 60 Prozent ausgelastet.

Die Ilmenaustraße ist ein städtebaulicher Schatz! Direkt am Fluss gelegen, könnte sie Raum zum Flanieren, Kaffee trinken, plaudern, spielen und entspannen bieten und so zu einem ruhigen und grünen Naherholungsgebiet mitten in der Stadt werden. Und ganz nebenbei würde Lüneburg auch den geplanten Klimazielen wieder ein Stück näher kommen. Dafür braucht es kaum Umbaumaßnahmen, das Potenzial ist da! Nur wenige Städte können eine solche Attraktion vorweisen – diese Chance sollten wir nutzen, statt sie mit parkenden Autos zu blockieren.

 Foto: Ein Gedankenspiel als Zielrichtung: So könnte die Ilmenaustraße aussehen: mehr Raum für Leben und Sicherheit, statt für Autos.

Mobilität für alle! – Europäische Mobilitätswoche in Lüneburg vom 16.-22.9.2025

Die Europäische Mobilitätswoche (EMW) ist eine Kampagne, die von der Europäischen Kommission koordiniert wird, um das Bewusstsein für nachhaltige Mobilität zu stärken.

Die Hansestadt Lüneburg nimmt zum dritten Jahr in Folge teil und lädt zu verschiedenen Veranstaltungen ein.

Veranstaltungen rund um die EMW

  • Protected Bike Lane – Dienstag, 16. September 2025 – Lindenstraße (VCD)
  • PARKING DAY – Freitag, 19. September 2025 – Bardowicker Straße (VCD)
  • Night Ride auf dem Lüneburger Stadtring – Samstag, 20. September 2025 (VCD)
  • Commons Zentrum: Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt – 17./21. September 2025
  • Mobilität gerecht gestalten: Rundgang und Workshop – Donnerstag, 18. September 2025
  • Bereich Klimaschutz der Hansestadt: Tour de Klimaanpassung – Donnerstag, 18. September 2025
  • Literaturbüro Lüneburg: Lesung „Mann am Steuer“ – Montag 22. September 2025
  • SCALA-Kino: Film „Das Mädchen Wadjda“ – Donnerstag, 25. September 2025

Mehr bei Lüne-Blog: Europäische Mobilitätswoche 2024 macht Lust auf klimafreundlichen Verkehr 

Neuer Radweg am historischen Hafen ist fertig!

Freie Fahrt auf dem neuen Radweg am historischen Hafen: Zwischen Salzstraße am Wasser und Behördenzentrum wurde die  Lücke auf dem Radweg zwischen Bardowick und Lüneburgs Innenstadt geschlossen.

Für den Bau des Radweges wurde das alte Pflaster durch ein ebenes Betonsteinpflaster ersetzt, vereinzelt wurden glatte Natursteine ergänzt, damit der Weg sich optisch möglichst dem historischen Umfeld anpasst. 

Die entnommenen Natursteine aus dem Alten Hafen werden demnächst in Lüneburg wieder eingebaut – und zwar in der Rotehahnstraße, die derzeit denkmalgerecht umgestaltet wird.

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